Wasserprojekte


MozamBIG - Die Reise in die Projektdörfer

16.10.2013: Ein Bericht welcher die Frage beantwortet, weshalb es in Nicuita und Naputo Wasser braucht. Von Danielle Bürgin, Präsidentin Viva con Agua Schweiz.

Wohin ging die Reise?
Im September ist Viva con Agua Schweiz erneut in den Norden von Mosambik gereist. Die Gruppe, bestehend aus 12 Aktivisten und Botschaftern hat in der Provinz Cabo Delgado 2 Projektdörfer Im Distrikt Ancuabe besucht. Nicuita und Naputo liegen etwa 2'500 Kilometer von der Hauptstadt Maputo entfernt. Über 80%der Bevölkerung leben in abgelegenen ländlichen Gebieten. Die Wasserversorgung in ist gerade in dieser von Armut geprägten Region unzureichend. Weniger als die Hälfte der Bevölkerung hat Zugang zu sauberem Trinkwasser.
 

Warum reist Viva con Agua nach Mosambik?
Für die Arbeit von Viva con Agua ist es von enormer Wichtigkeit, dass regelmässige Reisen in diese Projektgebiete unternommen werden. Dies, um einerseits die Bedeutung von sauberem Wasser in einem Dorf nochmals klar vor Augen geführt zu bekommen. Andererseits aber auch, weil Viva con Agua die Menschen kennen lernen will, die von dem Engagement in der Schweiz profitieren. (Ein Grossteil der direkt Begünstigten lebt unter der Armutsgrenze.) Die Finanzierung der Wasserprojekte erfolgt durch verschiedene Spendenaktionen von Viva con Agua in der Schweiz. Helvetas Mosambik ist für die Projektdurchführung zuständig.

Was haben wir auf der zweitägigen Reise nach Nicuita und Naputo erlebt?
Nach einer mehrstündigen Fahrt von Pemba (das "Basislager von Viva con Agua in Mosambik) haben wir das erste Projektdorf Nicuita erreicht. Begrüsst wurden wir herzlich von der Dorfregierung (Dorfälteste, Dorfkönigin und -König) und dem sogenannten Wasserkomitee. Letzteres ist für die Bedürfnisse der Dorfbevölkerung im Bezug auf Wasser zuständig. Das Wasserkomitee besteht aus einer gleich verteilten Anzahl von Männern und Frauen. Sie sind verantwortlich dafür, dass die Dorfbevölkerung in Sachen Umgang mit den Brunnen aber auch mit der Hygiene und den sanitären Anlagen (WASH) ständig unterrichtet wird. Wissenstransfer und Aufbau von Kompetenzen sollen institutionell gut verankert sein. Eindrücklich wurde der Gruppe aus der Schweiz geschildert, was der Bau von Brunnen und Latrinen in einem Dorf bedeutet.

Warum bedeutet sauberes Trinkwasser Leben?
Die Mehrheit der Menschen in den Provinzen Cabo Delgado und Nampula hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Frauen und Kinder, die für das Wasserholen verantwortlich sind, müssen vor allem in der Trockenzeit lange Wegstrecken zurücklegen, um ihre Familien mit der notwendigen Wassermenge zu versorgen. Dieses stammt oft aus offenen Wasserstellen und ist von zweifelhafter Qualität. Die Folge davon sind Krankheiten wie Durchfall, Augenentzündungen und Hautkrankheiten. Vor allem die Durchfallerkrankungen führen zu hoher Kindersterblichkeit und häufigen Schulabwesenheiten.

Wer bestimmt, wo es Brunnen braucht?
Die Auswahl der Dörfer, in denen Brunnen gebaut oder saniert werden, erfolgt in einem partizipativen Prozess. Zuerst legen die Dorfräte ihre Prioritäten fest. Diese werden von Delegierten auf verschiedenen Ebenen eingebracht, diskutiert und mit den Prioritäten der anderen Dörfer verglichen. Daraus geht ein Distriktentwicklungsplan hervor. Mit den Distriktbehörden werden die Dörfer ausgewählt, in denen im laufenden Jahr die Trinkwasserversorgung gebaut oder rehabilitiert wird. Weitere wichtige Punkte für die Auswahl sind die Bereitschaft der Dörfer, ihre interne Organisation zu verbessern und sich an den Baukosten zu beteiligen (ca. 10% der Baukosten). Die Bevölkerung leistet einen Beitrag in Form von Arbeit, Baumaterialien und finanziellen Beiträgen zum Bau der Trinkwasseranlage.

Wie teuer ist ein Brunnen und wie tief wird gebohrt?
Das Wasser, dass aus den Pumpbrunnen fliesst, ist von guter Qualtität. Davon haben sich die Viva con Agua-Mitglieder alle persönlich überzeugt, in dem sie das Wasser selber getrunken haben. Damit Wasser von solch sauberer Qualität überhaupt erreicht wird, muss oft bis zu 80 m tief gebohrt werden. Gebohrt wird nach Grundwasser. Für den Neubau eines solchen Brunnens müssen Kosten von rund 8'000 Schweizer Franken investiert werden.

Wie wird die Nachhaltigkeit dieser Projekte erreicht?
Die Menschen in dem Projektgebiet müssen in den Projektablauf einbezogen sein (bspw. erfolgt ein demokratischer Prozess bei Ermittlung der Bedürfnisse der Menschen, Ownership-Gedanke wird umgesetzt etc.). Der gesamte Projektprozess erfolgt auf gleicher Augenhöhe. Das Prinzip ?Hilfe zur Selbsthilfe? muss erfüllt sein. Lokale Strukturen sollen unterstützt und gestärkt werden. Fähigkeiten und Kenntnisse der Menschen vor Ort werden entwickelt.
Um die Trinkwasserversorgung der ländlichen Bevölkerung dauerhaft zu verbessern, werden zusammen mit der Dorfbevölkerung und den Behörden zerfallene Brunnen erneuert, versandete Bohrlöcher freigelegt und defekte Pumpen repariert oder ersetzt. Darüber hinaus werden neue Brunnen gebaut. Diese Bauarbeiten werden von lokalen Kleinunternehmen durchgeführt, die diesbezüglich weitergebildet werden. Die die enge Zusammenarbeit zwischen Viva con Agua, Helvetas und der lokalen Bevölkerung ist ein wichtiger Bestandteil der Zusammenarbeit. Damit der Betrieb der Trinkwasserversorgungen langfristig funktioniert, sind die Dorfgemeinschaften von Anfang an am Projekt beteiligt. Sie beantragen den Bau oder die Sanierung einer Trinkwasseranlage und entscheiden bei allen Schritten mit. Das Dorf macht Vorschläge, die von Fachleuten technisch ausgearbeitet werden.

Was ist das Ziel von Viva con Agua bis 2014?
Wir wollen die Region in Mosamibik langfristig unterstützen. Von den von Viva con Agua unterstützten Projektarbeiten sollen 40'000 Menschen dauerhaft Zugang zu Trinkwasser erhalten. Dafür sollen 2014 Spenden in der Höhe von CHF 150'00 eingesetzt werden.

Viva con Agua/Helvetas

Ein grosser Bericht über die ganze Projektreise findest du hier!