Viva con Agua in Mosambik

19.04.2016: Gegen Ende des Jahres 2015 hat Viva con Agua Schweiz entschieden, seine Aktivitäten auf urbanere Gebiete Cabo Delgados auszuweiten und möchte in der Projektphase von 2015-2017 vier Kleinstädte mit Wasseranlagen ausstatten. 

 
Daten zum aktuellen Projekt:
Ziel: Wasseranlagen von vier Kleinstädten werden für die gesamte Bevölkerung zugänglich gemacht      
Region: Provinz Cabo Delgado im Norden Mosambiks
Kleinstädte: Ancuabe Sede, Metoro, Mucojo und Chai
Beitrag: CHF 60'000 (2015 und 2016)
Dauer:          2015-2017
Partner: HELVETAS Swiss Intercooperation Mosambik

 

Relevante Hintergrundinformationen

In den ländlichen Gebieten von Mosambik haben lediglich 30% der Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser. Nur 19% verfügen über sanitäe Einrichtungen wie Latrinen. Schätzungsweise 90% der Krankheitsfälle sind durch die schlechte Hygiene verursacht. Immer mehr Menschen ziehen von den ländlichen Dörfern in regionale Kleinstädte, da sie dort eine bessere Infrastruktur und einfacheren Zugang zu schulischen und medizinischen Einrichtungen finden. Ebenso erhoffen sie sich bessere Möglichkeiten, um ein Einkommen zu verdienen.

Die Behörden der Kleinstädte stehen grossen Herausforderungen gegenüber, denn die bestehenden Wasserversorgungsanlagen reichen für die steigende Bevölkerung bei weitem nicht. Ganze Quartiere sind ohne Zugang zu Trinkwasser. Die Bewohner beziehen ihr Wasser deshalb aus unsicheren Wasserstellen in der Umgebung. Oftmals müssen die Frauen und Kinder dafür 2-3 km weit gehen. Zudem steigen die gesundheitlichen Risiken in den Kleinstädten, da die Landbevölkerung über Hygiene nicht genügend informiert ist. Die Verrichtung der Notdurft unter freiem Himmel ist auf dem Land üblich, bedeutet jedoch bei höherer Bevölkerungsdichte ein enormes Gesundheitsrisiko.

Bis anhin verwalteten die Distriktbehörden die Kleinwassersysteme. Damit die Wasserversorgung nachhaltiger ist und basierend auf der Wasserpolitik der Regierung Mosambiks von 2007, sollen die Behörden mit privaten Anbietern und lokalen Wasserkomitees zusammenarbeiten. Im abgelegenen Norden des Landes ist wenig Erfahrung vorhanden und eine Stärkung der Akteure notwendig.

 

Projektziele

  • Die Wassersysteme von vier Kleinstädten sind saniert und die Verteilsysteme ausgebaut.

  • Die Wassersysteme werden von privaten Dienstleistern professionell verwaltet und durch die Behörden und die Nutzenden kontrolliert.

  • Die Siedlungshygiene und die Abfallentsorgung verbessern sich merklich.

  • Die Akteure (Gemeindeverwaltungen, private Anbieter und Nutzerkomitees) sind für ihre Aufgaben ausgebildet.

 

Projektinhalt

Eine Kleinwasseranlage besteht je nach Grösse der Stadt aus einem oder mehreren Bohrlöchern für die Wasserfassung, einem Pumpsystem, das das Wasser in einen oder mehrere Wassertürme hochpumpt, und von diesen ausgehend einem Verteilnetz, das zu mehreren Zapfstellen führt.

Konkret werden in diesem Projekt die Wasseranlagen von vier Kleinstädten für die gesamte Bevölkerung zugänglich gemacht. Folgende Aktivitäten sind geplant:

  • Bau, Sanierung und Erweiterung der Kleinwasseranlagen (neue Verteilleitungen und Zapfstellen)

  • Ausbildung von Wasserkomitees und Aufbau von Ersatzteilversorgungen

  • Ausbildung von Kleinunternehmerinnen und -unternehmern

  • Ausbildung von Mitgliedern der Gemeinderäte und Mitarbeitenden der Distriktbehörden

  • Förderung des Latrinenbaus

  • Sensibilisierung und Aufklärung der Bevölkerung zu Hygiene und Gesundheit

  • Technische und organisatorische Unterstützung der Wasserdepartemente auf Distriktebene

 

Zielgruppe und Begünstigte

Begünstigt  sind die Bewohnerinnen und Bewohner der vier Kleinstädte Ancuabe Sede, Metoro, Mucojo und Chai. Rund 7'000 Personen werden durch das Gesamtprojekt neu Zugang zu Trinkwasser erhalten. Spürbar ist das insbesondere für die Frauen, die mehrheitlich für die Wasserbeschaffung zuständig sind. Zudem werden rund 17'000 Personen (3‘400 Familien) im Bau von Latrinen unterstützt.

Unterstützt werden auch die Institutionen, die mit dem Ausbau, des Betriebs und der Verwaltung der Wassersysteme beauftragt sind. Die Angestellten der Distriktbehörden für Planung und Infrastruktur und lokale Kleinfirmen (etwa 20 Personen) werden befähigt dafür zu sorgen, dass die Bevölkerung während des ganzen Jahres sauberes Trinkwasser zu einem fairen Preis beziehen kann. Ebenso werden die vier Wasserkomitees (8 Männer, 4 Frauen) geschult, die die Bevölkerung vertreten. Die Wasserkomitees vermitteln den Nutzenden auch die Notwendigkeit, einen Preis für den Service – nicht des Wassers – zu bezahlen. Der Preis soll bezahlbar und gleichzeitig für den Betreiber rentabel sein, damit die Finanzierung der Versorgung nachhaltig gewährt ist.

16 Gesundheitskomitees der Gemeinden werden in der Vermittlung von Wissen über die Bedeutung von sauberem Wasser für die Gesundheit, Hygiene im Allgemeinen und Siedlungshygiene geschult. Sie sollen 20'000 Menschen erreichen.

 

Nachhaltigkeit und Ausstrahlung des Projekts

Wichtig für die Nachhaltigkeit ist der Einbezug der lokalen Bevölkerung in alle Schritte des Projekts. Die Verantwortung für Betrieb und Unterhalt der Wasserversorgungen liegt bei der Bevölkerung. Dies erhöht deren Eigenverantwortung (Community Management Approach).

Helvetas arbeitet sowohl mit zivilgesellschaftlichen Akteuren, z.B. Nichtregierungsorganisationen im Hygienebereich, als auch mit der Privatwirtschaft und staatlichen Institutionen zusammen (Multi Stakeholder Approach). Auf diese Weise sichert Helvetas die Vernetzung und die Nachhaltigkeit des Projekts. Die Erfahrungen fliessen auch regelmässig in Politikdialoge auf Provinz- und Regierungsebene (nationale Wasserpolitik) ein.